Schlagwort-Archive: Kummer

9. Das Leben hilft uns, Verbindungen zu knüpfen, wenn wir diesen Wunsch äußern…

Für diejenigen, die sich heute etwas Zeit für „Weihnachtsmann-Eindrücke der besonderen Art“ nehmen möchten, habe ich hier noch eine Episode mit einem gütigen Weihnachtsmann aus dem Adventsroman „Engel weisen den Weg“ von Rolf Meister und mir:

„ … und dieses kleine hübsche Mädchen hier ist Lucie, nicht wahr?“ meinte der Weihnachtsmann lächelnd. „Dich kenne ich doch schon ganz lange! Und ich glaube, ich weiß auch warum du so traurige Augen hast. Du bist so traurig, weil deine Mutti gestorben ist, nicht wahr, kleine Prinzessin?“

Lucie nickte und schaute den Weihnachtsmann ehrfürchtig an. Im Heim hatten viele Kinder ihre Zweifel an der Wahrheit des Weihnachtsmannes geäußert. Hier nun stand er leibhaftig vor ihr und sagte Dinge, die ein anderer fremder Mann nicht wissen konnte. Das musste sie den anderen erzählen! Claus hockte sich hin, um in etwa auf gleicher Höhe mit dem schüchternen Mädchen zu sein.

„Möchtest du auf meinen Schoß kommen und mir von deinem Kummer erzählen?“ fragte er sie freundlich. Und zum Erstaunen ihrer beiden erwachsenen Begleiter nickte Lucie und ihre Augen begannen zum ersten Mal seit etlichen Wochen wieder zu leuchten. Sie ließ die Hände ihrer zwei erwachsenen Begleiter , Christina und Christoph, los und ging zum Weihnachtsmann, der sich mit ihr gemütlich in seinen großen Weihnachtsmannsessel nieder ließ.

Und wie schon vielen anderen kleinen und großen Kindern sagte der Weihnachtsmann zu ihr: „Du kannst mir alles sagen, denn ich bin der Weihnachtsmann und höre alles mit meinem Herzen.“
Tatsächlich öffnete das kleine Mädchen dem alten Mann ihr Herz und erzählte ihm all seine Sorgen, seinen tiefen Kummer.

Christina und Christoph hörten nicht, was die beiden miteinander sprachen, aber sie sahen, wie ernsthaft beide miteinander redeten, wie vertrauensvoll das Kind den alten Mann anschaute und wie sie erst erstaunt und dann fast froh in seine gütigen Augen blickte.

Nach einem Weilchen zeigte Claus in Richtung der zwei wartenden Erwachsenen. Das Mädchen nickte und ein vorsichtiges scheues Lächeln erhellte das eben noch so ernste schmale Gesichtchen. Auch sie bekam vom Weihnachtsmann etwas geschenkt: Sie empfing einen zart gelben Schmetterling, der aus Seidenpapier und Goldfolie gebastelt war. Damit rannte sie nun auf Christina zu, der sie soeben vom sicheren Schoß des Weihnachtsmannes aus zugenickt hatte.

Aufgeregt zeigte sie ihr das Geschenk und sagte: „Der Weihnachtsmann kennt meine Mutti! Er hat gesagt, dass sie noch lebt, nur unsichtbar. Und er sollte mir den Schmetterling von ihr schenken, denn mit Schmetterlingen ist es wie mit Menschen. Sie leben nachdem sie Raupe waren weiter. Wir leben auch immer weiter. Mutti auch. Und wenn ich still bin, kann ich sie in mir drin hören. Der Weihnachtsmann sagt, es ist okay, wenn ich traurig bin, aber Mutti will nicht, dass ich dadurch einsam werde. Sie sagt, dass du und Christoph … , also dass ihr meine beiden großen Freunde sein könnt, und dass ich euch alles sagen kann. Und sie hat den Weihnachtsmann gebeten, dass er mir das von ihr sagen soll, denn in Wahrheit ist er auch unsichtbar. Die großen Kinder sagen, er ist nur ein Märchen, aber er sagt, dass manche Menschen seine unsichtbare Kraft zu Weihnachten in sich spüren, egal ob sie sich einen roten Mantel anziehen oder nicht. Deshalb gibt es so viele Weihnachtsmänner. Das sind ganz normale Menschen, die seine Gedanken in ihren Herzen spüren und so tun, als ob sie er wären. Das ist ganz okay, meinte der Weihnachtsmann. Aber der wahre Weihnachtsmann ist unsichtbar, so wie jetzt meine Mutti. Deshalb kann er sie auch dort treffen und mir jetzt von ihr Grüße bestellen. Wollt ihr denn meine Freunde sein?“ fragend schaute die kleine Lucie, die jetzt ganz lebendig geworden war, die beiden Großen an.

„Sehr, sehr gern!“ antworteten die beiden verblüfften Erwachsenen fast gleichzeitig. Dankbar schauten sie zum Weihnachtsmann hin, der ihnen lächelnd zuwinkte und gerade wieder ein anderes Kind auf seinen Schoß hob…

An dieser Stelle verlassen wir Lucie und ihre beiden erwachsenen Freunde wieder.
Falls der eine oder die andere am Bildschirm auch manchmal traurig ist, denkt dran was der Weihnachtsmann gesagt hat: „Es ist okay, traurig zu sein … wir sollten nur nicht zulassen, dass wir dadurch einsam werden.“
Allein der Beschluss dazu reicht aus, um das Leben zu veranlassen, uns Menschen in unser Leben zu schicken, zu denen wir leicht Verbindung aufnehmen können – und auch die Verbundenheit mit Menschenseelen zu fühlen, die uns voraus gegangen sind…

Wer könnte das wohl heute und in den nächsten Tagen sein, den das Leben uns schickt…?

Seid behütet und sicher, dass das Leben euch nie allein lässt, wenn ihr äußert, dass ihr in Verbindung sein wollt.
Ganz herzlich grüßt euch
eure Marina

 

Werbeanzeigen

Steh zu dir – dann öffnet sich die Tür

Mosaik-Stern-Christus

Fühlst du dich manchmal zerrissen –
den guten Weg zu finden scheint schwer?

In deinem Hirn rattert es – wo kommmt die Hilfe nur her?
Der Kopf brummt – deine Batterie wird langsam leer ?

Fragst dich traurig, wie kann es nur gehen?
Ich kann die Lösung nicht sehen…
Wieso… weshalb… warum…
?
Dann wisse: EINER kümmert sich darum.
ER ist da, dich zu lieben –

gerade dann, wenn Angst und Probleme dich trüben.
Du kannst ES mit den Augen nicht sehen,
aber in deinem Inneren kannst du ES verstehen.
Da ist eine Stimme, die zu dir spricht:

„ICH BIN da und helfe – Fürchte dich nicht!
Steh zu dir – dann öffnet sich manch neue Tür!“

…Und vielleicht magst du mit singen:
„Stay strong! Keep your faith alive!“

Ganz ~ ♥ ~ lich grüßt dich und alle lieben Gäste hier

MarIna

******************

Weitere Impulse gibt es u.a. auch in den täglichen Kraftgedanken
auf meiner Webseite www.marina-kaiser.de . :-)

Dort kannst du Engelkarten und Christuskarten ziehen , Grußkarten versenden, ins Gute-Nacht-Stübchen gehen , und findest meine aktuellen Angebote, Botschaften von Christus, Engeln, aufgestiegenen Meistern,
Geschichten, Gedichte, Meditationen und mehr.

Ein Gebet: Dank DIR, DU mein geliebtes *ALL-es*

An Liebe denken tut einfach gut!!! Im bunten Mandala des Lebens ist Liebe der göttliche "Klebstoff" der uns alle vereint

In Frieden und stiller Heiterkeit,
mit Wertschätzung und Dankbarkeit,
in Liebe zu DIR und zu mir
ruhe ich gerade jetzt und hier
in diesem heiligen Moment,
der DEINE Liebe in so vielem erkennt,
was mir begegnet ist –  heute und an so manchem Tag,
an den ich mich gern erinnern mag:

DU fülltest mir mit guter Nahrung den Bauch,
durch Wasser, Sonne und Erde stärktest DU mich auch,
berührtest mich sanft mit DEINER Lüfte Hauch.

DU hast mich schweigend eingeladen,
auch Angst, Schmerz und Kummer in DIR abzuladen.
DIR vermag ich alles zu sagen.

So will ich Dank und Sorgen jetzt auf DICH  legen,
sowie auch Glück und Freude auf all DEINEN Wegen.
die wahrlich reich sind unter DEINEM Segen.

Ich sage jetzt DANKE…
und wenn ich auch mal schwanke,
verzweifelt einen Umweg entlang wanke,
so führst DU mich immer wieder zurück
in diesen EINEN jeweiligen AugenBlick –
DAS ist Gnade – von DIR geschenktes Glück!

© Marina Kaiser ♥♥♥

Mögen alle Wesen  glücklich sein.

Ganz ~ ♥ ~ lich grüßt dich und alle lieben Gäste hier

MarIna

******************

Weitere Impulse gibt es auf
meiner Webseite www.marina-kaiser.de . :-)

Dort kannst du Engelkarten ziehen , Grußkarten versenden, ins Gute-Nacht-Stübchen gehen , und findest meine aktuellen Angebote, Botschaften von Christus, Engeln, Maria, Geschichten, Gedichte, Meditationen und mehr.

Gefühls – Ostereier … Gefühle malen tut gut

„Toll, dass wir uns immer wieder mal was ausdenken können, was sich gut anfühlt!“ meint gerade INA, die Stimme meines inneren Kindes tief in mir. 
Und es muß etwas zu Ostern sein!“
Das ist ihr auch sehr wichtig!


Hier nun also wieder einmal etwas Neues aus Luminarien, unserer inneren Licht-Landschaft:

Melina fand sich wieder im Land ihrer inneren Welt, dem schönen Luminarien. Sie lag im Gras und schaute in den strahlend blauen Frühlings-Himmel. Wohlig räkelte sie sich… Da wurde ihr ihr Kummer wieder bewusst: Ihr kleiner Krebs-Patient Melvin war gestorben – und sie war nicht da gewesen. Dabei hatte er sie doch vor kurzem so sehr gebeten, dass sie am Ende bei ihm sein möge. Schwer drückten die Schuldgefühle auf ihr empfindsames Gemüt.

Da hörte sie Stimmen…  Sie blickte sich um und sah an verschiedenen Plätzen des schönen Schloß-Gartens, in dem sie erwacht war, Kinder und  liebevolle, strahlende Begleiter. Sie spielten vergnügt in der Sonne. Einige von ihnen hatten zauberhafte bunt strahlende Eier in den Händen.

Ach ja, richtig, es war ja bald Ostern, daran hatte sie bisher gar nicht gedacht. Anscheinend wurden auch hier Eier bemalt. Aber nein, es gab keine Pinsel und Farbtöpfe. Melina beobachtete, wie ein Mädchen ein weißes Ei aus einem Korb nahm, es einen Moment lang still in den Händen hielt und betrachtete – und plötzlich färbte sich das Ei zart rosa und wie durch Zauberhand entfaltete sich darauf ein buntes Muster.

Langsam ging Melina auf das Mädchen zu und sprach es leise an: „Wie machst du das?“
„Oh,“ lachte die Kleine, „du bist wohl neu hier! Das geht ganz leicht. Ich denke an etwas, fühle das Gefühl, das dadurch in mir entsteht, und dann bitte ich das Gefühl, sich auf meinem Ei nieder zu lassen. Das macht so viel Spaß! Ich bin immer ganz gespannt darauf, wie das Ei dann wohl aussehen wird. Und immer entstehen neue tolle Muster und Farben!“

„Hm, meinst du, ich könnte das auch mal versuchen?“ fragte Melina fasziniert.  
„Na klar, es sind ja ganz, ganz viele Eier da – und hier dürfen wir doch alles, wozu wir Lust haben! Hauptsache, es schadet keinem. Probier mal, das Muster kommt durch das Gefühl, das du gerade fühlst.“ Die Kleine schaute Melina interessiert an. „Bist du traurig?“

„Ja, sieht man das?“ fragte die junge Frau erstaunt.
„Na ja, ein  bisschen seh´ ich es, aber vor allem spüre ich es. Das macht aber nichts. Hier ist man nicht lange traurig. Mach einfach ein Ei draus.“

Und Melina nahm ein Ei aus dem Korb. Zweifelnd schaute sie es an. Mit diesen schwermütigen, bedrückenden Schuldgefühen, die sie gerade in sich trug, konnte bestimmt kein schönes Muster entstehen…
Doch sie sollte erstaunt feststellen, dass sich das Ei mit kraftvollen Farben füllte, die in wunderschönen Verläufen ineinander übergingen. Wie war das möglich? Brauchte man nicht gute, wohlige Gefühle, um Schönheit entstehen zu lassen?

„Das habe ich mich auch schon gefragt,“ hörte sie eine Stimme hinter sich. 
Ein junger Mann trat zu ihr. „Entschuldige, dass ich einfach auf deine Gedanken antworte, aber ich bin gerade mit der gleichen Frage unterwegs – und du weißt ja vielleicht schon, dass Gedanken hier so hörbar und sichtbar sind wie gesprochene Worte bei uns. Übrigens, ich heiße Ravel, und komme in letzter Zeit auch des öfteren hier her.“

Er reichte ihr freundlich die Hand. Ein Weilchen schaute Melina ihn einfach nur an, er kam ihr irgendwie vertraut vor, aber sie kannte ihn eigentlich nicht, jedenfalls nicht aus ihrer realen Welt. Er war ihr auf den ersten Blick sympathisch.

Während sie noch ihre Hände hielten, gesellte sich Cincera zu den beiden. 
„Ich würde euch gern eure Frage beantworten.“ Sie lächelte. „Jedes Gefühl hat eine bestimmte Qualität und Schwingung, die sich auch in Farben ausdrücken kann, egal ob es sich angenehm oder unangenehm anfühlt. Es gibt in Wahrheit keine guten oder schlechten Gefühle, so wie es bei euch oft gelehrt wird. Jede Empfindung ist wertvoll! Und dieser Wert spiegelt sich in Form von Farben und Mustern wider – überall dort, wo ihr beschließt, dass es sich zeigen möge. Das ist in eurer Welt nicht anders – nur könnt ihr das mit euren physischen Augen nicht sehen – noch nicht. Aber diese bei euch „hellsichtig“ genannte Fähigkeit kann wachsen, je mehr ihr euch selbst vertraut.“

Melina bemerkte fasziniert: „Es fühlt sich übrigens gar nicht mehr ganz so bedrückend in mir an wie vorher.“
„Das liegt daran, dass du dein Gefühl zugelassen hast und dass du es ausgedrückt hast – hier auf diesem Ei.
Gefühle sind wie Wellen, die sich immer verändern. Wird das Wasser gestaut, also festgehalten, nicht raus gelassen, kann es leicht trübe werden. Wenn es aber fließt,  ist es klar – und die Wellen finden immer wieder neue Formen. Deshalb ist es so außerordentlich heilsam, all eure Gefühle zu fühlen und ihnen Ausdruck zu verleihen. 

Ravel lachte: „Gefühle ausdrücken… hat auch was von einem Schwamm. Wenn ich ihn ausdrücke, kann er wieder neues Wasser in sich aufnehmen. Farben und Muster sind toll, die mag ich.“

„Ja, aber auch Tränen können Gefühle ausdrücken,“ setzte Melina hinzu. Dann fiel ihr Blick auf zwei lachende Kinder, die sich an den Händen hielten, sangen und dazu tanzten. „Tanzen, lachen und singen ist auch eine schöne Möglichkeit,“ seufzte sie…

Falls Ihr Lust habt, noch mehr aus Luminarien zu erfahren, klickt doch einfach mal hier zum Kapitel „Ich bin mein bester Freund“

Dass wir die Freundschat zu uns selbst immer mehr vertiefen wünschen sich mit bunten österlichen Grüßen

Marina und Ina

Ich bin mein bester Freund

Liebe LeserInnen meines Blogs,
hier kommt ein Auszug aus unserer Fortsetzungs-Geschichte

„Luminarien – im Land des Lichts“


Luminarien ist
eine Welt voller Licht, Wunder, Geheimnissse, Anmut und unglaublicher Schönheit,
eine Welt, in der Mitgefühl eine sehr, sehr wichtige Rolle spielt,
eine Welt in der die Liebe ohne Gegenteil, der bedingungslosen Liebe die Grundlage ist,
eine Welt, in der wir Menschenseelen alle daheim sind.

Ravel und Melina, die Protagonisten der Geschichte, erdenken sich eigentlich „nur“eine Geschichte dieser Lichtwelt. Doch die Liebe, die sie dort erleben, hilft ihnen, auch ihre irdische Wirklichkeit neu zu sehen und mit noch tieferer Liebe zu gestalten.

Luminarien hat nun einen eigenen Blog bekommen: http://lichtspielereien.wordpress.com/

Ich würde mich riesig freuen, wenn du mich auf diesem Blog, den ich gemeinsam mit Olaf führe, besuchen kommst und vielleicht auch Lust bekommst, die Geschichte weiter mit zu verfolgen und/oder auch selbst etwas hinzu zu schreiben – denn es ist als Mitmach-Geschichte in Fortsetzungen angedacht. Dort findest du alle  Kapitel dieser Geschichte in der entsprechenden Reihenfolge. Die einzelnen neuen Posts sind jedoch auch leicht zu verstehen, ohne dass du zuvor alle Kapitel gelesen haben mußt.

Und mir (INA) macht das alles einen Riesen-Spaß!

Also vielleicht bis bald in Luminarien oder wo auch immer hier bei WordPress oder sonstwo auf unserer schönen Mutter Erde grüßen dich herzlich

Marina und Ina

Und nun viel Spaß beim Lesen:

In Ravels realem Leben:

Ravel stand im Bad vor dem Spiegel und schaute in sein noch verschlafenes Gesicht. Er sah vor allem in diese unglaublich traurigen Augen. Am liebsten hätte er sich im Bett verkrochen und den ganzen Tag lang nur geweint. Aber dazu war jetzt keine Zeit, denn heute war ein Herbstfest geplant im Kindergarten, in dem er arbeitete. Heute begannen alle etwas früher mit der Arbeit, um noch letzte Vorbereitungen zu treffen.

Ach ja, die Kinder… die Arbeit mit ihnen liebte er sehr. Sicher, manchmal kostete es auch viel Nervenkraft in einem Kindergarten mit über dreißig Kids, klar. Aber grundsätzlich fühlte er sich sehr wohl mit seiner Arbeit. Wenn er an das ein oder andere Kind dachte, musste er sogar etwas schmunzeln.

Die Arbeit gab ihm auch heute wieder Erfüllung. Besonders ein Kind lag ihm am Herzen: ein kleiner Junge, der in all dem lauten Trubel des Herbstfestes abseits stand. Er wirkte traurig und verschlossen. Ravel ging zu ihm und sprach ihn freundlich an:
„Magst du nicht mit den anderen spielen, Micki?“ „Nö…“
„Vielleicht magst du mir deinen Kummer erzählen?“
Da brachen die angestauten und bisher zurück gedrängten Tränen aus dem schmalen Gesichtchen des Jungen heraus. „Die wollen mich nicht! Ich bin dünn und doof, sagt der Thomas!“

Ravel setzte sich mit dem Kleinen ins Gras und schaute ihn verständnisvoll an.
„Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst. Mir ging es auch manchmal so, als ich noch klein war.“

Verwundert schaute Micki den von ihm so bewunderten Erzieher an.
„Ja,“ nickte dieser, „das tut wirklich weh! Doch sag mal, glaubst du denn dem Thomas?“
„Na ja… ich bin ja dünner als die anderen…“

Ja, das bist du,“bestätigte Ravel lächelnd, „aber du bist doch nicht doof! Ganz im Gegenteil, du hast ein ganz helles kluges Köpfchen!“
Langsam entspannte sich Micki. Sein großer Freund hier, der Ravel, war ja schließlich auch nicht doof, obwohl es ihm damals Kinder gesagt hatten. Das stimmte ganz sicher nicht. Also vielleicht hatte sich der Thomas ja auch geirrt und er war gar nicht doof…
„Wichtig ist vor allem, was du von dir glaubst, Micki! Wenn du weißt, dass du ein ganz toller Junge bist – und das bist du! – dann kann es dir weniger weh tun, wenn andere irgend einen Quark von dir behaupten. Und weißt du was? Auch wenn man erwachsen ist, geschieht es manchmal, dass Menschen nichts mehr mit einem zu tun haben wollen, sogar mit guten Freunden kann das passieren. Das tut dann zwar auch weh, aber ist nicht so schlimm, wenn der Gedanken da ist:
EGAL WAS ANDERE DENKEN – ICH BIN IN ORDNUNG SO WIE ICH BIN!!!
UND ICH BIN MEIN BESTER FREUND!“

Hoffnungsvoll starrte Micki den jungen, freundlichen Mann an. „Meinst du, wenn ich mich mag, dass mich vielleicht auch andere mögen können – vielleicht der Frank, oder von mir aus auch ein Mädchen…?“

Ganz genau, mein lieber kleiner Freund! Ich sag dir etwas: Du bist ein ganz prima Kerl – egal ob dünn, dick, groß oder klein. Mit dir kann man toll reden und super spielen. Du bist gut, genau so wie du bist!“
Darauf hin steckte Micki seine kleine Hand in die große Hand seines bewunderten großen Freundes, der seine Gitarre holte und mit ihm zu den anderen Kindern ging, um ein fröhliches Herbstlied an zu stimmen.

Als Ravel schließlich am Ende dieses Arbeitstages im Bus saß, um nach Hause zu fahren, hörte er eine Stimme in seinem Kopf: „Und hast du dir vorhin gut zugehört…?“

Trost und Heilung für ein Mädchen und seine Mutter – eine Fortsetzungs-Geschichte zum Mitmachen

Petrina in Luminarien (Teil 1 – 9)

Lieber Leser, liebe Leserin!
Hier sind die ersten Teile der Fortsetzungs-Geschichte, so dass du sie auch im Ganzen lesen kannst. Ich bedanke mich bei Petra und Christina, die sich bisher an meinem kleinen Experiment beteiligt haben und die Geschichte weiter geführt haben. Vielleicht hast du ja auch Lust, ein paar Sätze hinzu zu fügen… – im Kommentarfeld oder per Mail an mich (marina@marina-kaiser.de) .Ich werde es dann in den Text einfügen. Falls du daran interessiert bist, jeweils zu erfahren, wie es weitergeht, kannst du gern den „Benachrichtigungswunsch“ auf der rechten Seite anklicken. Und nun viel Spaß beim Lesen…

1.Teil   (geschrieben von Marina)

Ein schwerer Tag

„Aber was wird denn aus mir?!“ fragte Petrina mit zittriger Stimme, während sie tapfer versuchte ihre Tränen zu unterdrücken.

Sie saß mit ihrer Mutter auf einer gemütlichen Sitzbank in der Küche ihres kleinen Ferienhäuschens. Eine Woche lang hatten die beiden hier in Luminarien bereits Urlaub gemacht, und es war seit langem die schönste Zeit, die Petrina erlebt hatte. Hier konnte sie ihrer geliebten Mutti ganz nah sein, den ganzen Tag mit ihr verbringen – anders als in ihrer Heimatstadt, wo die Tage durch Schule und die Arbeit der Mutter diktiert waren.

Petrina nahm ihrer Mutter im Hause einiges im Haushalt ab, da sie spürte, wie erschöpft die alleinstehende Frau oft war. Und die junge Frau Elvira tat ihr Bestes, um Petrinchen eine glückliche Kindheit zu ermöglichen. Nun aber hatte sie sich einer Operation unterziehen müssen, und die Ärzte rieten ihr dringend, anschließend zu einer Kur, da ihr Körper sehr geschwächt war. Im Nachbarland Luminarien sollte ein besonders heilsames Klima sein, und die Kuraufenthalte waren bekannt für ihre aufbauende Wirkung. So hatte sich Elvira schweren Herzens dazu durch gerungen, obwohl es ihr schwer fiel, sich von ihrem geliebten Töchterlein für mindestens sechs Wochen zu trennen. Nur die Tatsache, dass zu diesem Kurhaus mehrere Pflegefamilien gehörte, die sich nach allem, was sie bisher gelesen hatte, sehr liebevoll um die ihr anvertrauten Kinder kümmerte, hatte ihr diesen Entschluss letztendlich möglich gemacht. Sie hatte mehrmals mit den Gasteltern telefoniert und war von der Wärme und Freundlichkeit, die sie dabei gespürt hatte, berührt. Und was letztendlich den Ausschlag gegeben hatte, war die Tatsache, dass sie ihre Tochter ganz in der Nähe hatte, und diese sie oft besuchen konnte.

Liebevoll nahm sie Petrina in den Arm und erklärte ihr das. Schließlich kamen dem achtjährigen Mädchen doch die Tränen. Schluchzend fragte sie: „Aber warum hast du mir das nicht viel früher gesagt?! Ich dachte, wir machen hier einfach nur Urlaub. Und es war so schön bisher“ Ihre kleinen Schultern bebten. Behutsam strich Elvira ihrer Tochter eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schaute sie an.

2. Teil (geschrieben von Marina)

„Genau deshalb, mein kleiner Schatz! Ich wollte, dass du wirklich erst einmal eine richtig schöne, ungetrübte Zeit hier in Luminarien mit mir hast. So konntest du dich auch ein bisschen erholen und dieses Land, das nun erst einmal für einige Wochen unsere neue Heimat sein wird, ohne trübe, ängstliche Abschiedsgedanken kennen lernen. Ich würde dir diese Trennung von mir nicht zumuten, wenn es nicht wirklich notwendig wäre – und die Familie, bei der du leben wirst, ist wirklich nett. Und du kannst mich ganz oft besuchen kommen …“ So versuchte die Mutter ihre verzweifelte Tochter zu trösten. Nichts war schlimmer für Petrina, als von ihrer geliebten Mutti getrennt zu sein. Außerdem war sie ziemlich schüchtern und hatte Angst vor der fremden Umgebung. „Gibt es dort noch mehr Kinder?“ fragte sie beklommen.

„Ja“ antwortete Elvira, „ich weiß nicht genau wie viele. Aber du wirst sicher liebe Spielkameraden finden. Davon war Petrina nicht so überzeugt. Bisher war es ihr immer ein wenig schwer gefallen, offen auf andere Kinder zuzugehen. Zu oft war sie ausgelacht und wegen ihrer ruhigen, stillen, zurückhaltenden Art links liegen gelassen worden. Dabei sehnte sie sich so sehr danach, einfach dazu zu gehören, mit einbezogen zu werden in die Gemeinschaft anderer Kinder. Doch obgleich sie sich so danach sehnte, war es ihr bisher nicht so recht gelungen. Schließlich hatte sie endlich eine Schulfreundin gefunden – und nun war diese weit weg – und sie war wieder allein. Noch dazu in einem fremden Land. Wieder kamen dem Mädchen die Tränen.

„Wann ist es denn soweit?“ fragte sie beklommen. „Morgen“ antwortete Elvira schweren Herzens. „ So bald schon?!“ Petrinas Gesicht verdunkelte sich. „Ja, mein Schatz“ entgegnete die Mutter „ich wollte nicht, dass du länger Bescheid weißt, weil ich weiß, welche Angst du vor all dem Neuen hast. Es hätte dir nicht gut getan, länger auf etwas zu warten, was dich bedrückt. Die Zeit bis morgen früh ist sicher schon schwer genug für uns beide.“

Verstohlen wischte sich Elvira eine Träne aus dem Augenwinkel, aber Petrina hatte es doch bemerkt. Sie zwang sich in einem Lächeln. In ihrem Schmerz hatte sie verständlicherweise gar nicht daran gedacht, dass auch ihre Mutti mit all dem ihre Mühe hatte! Sie bekam ein schlechtes Gewissen und hörte wie so oft die Stimme ihrer Oma in ihren Gedanken „Musst du es Mutti denn noch schwerer machen, als sie es ohnehin schon hat?!“

3. Teil (geschrieben von Marina)

Elvira, die nichts von den Gedanken ihrer Tochter ahnte, rang sich zu einem Lächeln durch und meinte: „Und die Stunden, die wir noch haben bis morgen, machen wir es uns so richtig gemütlich und schön wie möglich, okay? Du wirst sehen, es wird alles halb so schlimm, wie du jetzt denkst!“

Tapfer ging Petrina auf diesen tröstenden Satz ein, legte die Arme um ihre Mutti und vergrub ihr heißes Gesichtchen an ihrer Schulter, damit sie ihre Tränen verbergen konnte. Sie schluckte einmal, zweimal, dreimal … atmete tief … Jetzt ging es! Jetzt konnte sie wieder reden, ohne zu weinen. Sie antwortete: „Du hast recht Mutti – eigentlich ist ja gar nichts schlimm. Ich bin ganz in deiner Nähe, komme dich oft besuchen … und die Kinder dort sind sicher nett. Hauptsache, Du wirst bald wieder richtig gesund und stark. Und bis morgen machen wir es uns noch richtig schön! Soll ich jetzt das Geschirr vom Mittag abspülen?“

Schnell nahm sie zwei Tassen und ging zum Spülbecken, damit ihre Mutti das verräterische Zucken ihres Gesichtes, das sich einfach nicht unterdrücken ließ, nicht sah.   Sie hatte so große Angst …

4. Teil (geschrieben von Petra)

Ein kleiner Lichtblick

Als Petrina am nächsten Morgen erwachte, tastete sie verschlafen mit der Hand nach der Mutter, doch sie griff ins Leere. Elvira war schon lange auf und deckte im Garten den Frühstückstisch. Petrinchen blieb noch ein Weilchen im Bett liegen. Sie fühlte sich unausgeschlafen und matt. Allmählich erinnerte sie sich wieder: Angsterfüllt und weinend war sie in ihrem Bett aufgewacht, weil sie schlimme Alpträume hatte. Im Traum wurde sie von Kindern gehänselt, geärgert, bedrängt und bedroht. Ihre Gesichter verwandelten sich in Fratzen, und schließlich bauten sie sich als große, unheimliche Monster vor ihr auf.

So war Petrina verängstigt aus dem Bett gestiegen und Schutz suchend zur Mutter unter die Bettdecke gekrochen. Diese nahm ihre Tochter tröstend in die Arme und sprach beruhigend auf sie ein. Als Elvira dann leise Kinder– und Schlaflieder summte, schlief Petrinchen erschöpft ein.

Petrina war beklommen zu Mute. Was würde der Tag heute bringen? Am meisten aber fürchtete sie sich vor dem Abschied. Doch sie wollte tapfer sein. Also stieg sie aus dem schützenden Bett, wusch sich, zog sich an und ging ihrer Mutti in die Küche. Diese nahm ihre Tochter zärtlich in die Arme, gab ihr einen Kuss und sagte: „Guten Morgen, mein Schatz, dann lass uns mal frühstücken!“

Petrinchen war es ganz mulmig im Bauch und sie hatte das Gefühl, keinen Bissen hinunter zu bekommen. Aber sie wollte ihre geliebte Mutti nicht enttäuschen, die sich beim Vorbereiten des Frühstücks solche Mühe gegeben hatte. Die leckersten und köstlichsten Speisen hatte sie herbei gezaubert. Alles Dinge, die Petrinchen so sehr liebte. Mutti war sogar extra ins Dorf hinunter gegangen, um frische Semmeln zu holen. Petrinchen wollte ihrer Mutti nicht zeigen, wie traurig und ängstlich sie war, und so aß sie brav – und nebenbei versuchte sie auch noch durch eifriges Erzählen die Mutter aufzuheitern.

Doch Elvira konnte ihr Töchterchen viel zu gut, spürte mit dem Herzen einer liebenden Mutter, wie es um Petrina stand. Liebevoll und zärtlich blickte sie ihr kleines Mädchen an. Blass sah es aus, mit dunklen Rändern um die Augen. Aber das war ja auch kein Wunder nach dieser unruhigen Nacht, und dann noch mit dem Wissen um den bevorstehenden Abschied.

5. Teil (geschrieben von Petra)

Auf einmal erklangen aus der Ferne Stimmen. Und durch das offene Fenster war ein lustiges Läuten zu hören. Die Stimmen und das Läuten wurden lauter und näherten sich immer mehr. Bald schallte eine fröhliche, aufgeweckte Kinderstimme zum Ferienhäuschen herauf, die unaufhörlich erzählte und fragte. Dann wieder hörte man eine sanfte ruhige Stimme, die irgendetwas antwortete. Und dazwischen das heitere Glockengeläut.

„Ich glaube, wir bekommen Besuch!“ sagte Elvira erfreut. Kaum hatte sie es ausgesprochen, da erschienen eine Frau, ein Mädchen und eine Ziege am Gartentürchen.
„Guten Morgen, ich hoffe, wir kommen nicht ungelegen? Wir dachten, wir schauen mal vorbei.“ Es war die Pflegemutter der Pflegefamilie, in die Petrina heute kommen würde. Sie hatte vor zwei Wochen Elvira und Petrina bei ihrer Ankunft hier in Luminarien in ihrem Ferienhäuschen willkommen geheißen.

Elvira nahm ihre Tochter an die Hand und ging hinaus zur Gartentür, um die beiden frühen Gäste zu begrüßen. „Guten Morgen, Frau Fröhlich, treten Sie nur ein! Nein, sie kommen überhaupt nicht ungelegen – ganz im Gegenteil!“ Elvira freute sich sehr über den Besuch. Wir sind gerade fertig mit Frühstücken.“

„Ich habe noch jemanden mitgebracht. Das ist Mathilda, meine Tochter.“

Mathilda, die an einem Strick eine Ziege führte, gab Elvira die Hand und sagte: „Guten Tag.“ Dann ging sie auf Petrina zu, reichte ihr ebenfalls die Hand und meinte: „Grüß dich! Schön, dass du in unsere Familie kommst. Wir freuen uns alle schon sehr auf dich!“

Petrina war verlegen. Sie nickte nur schüchtern als Begrüßung, denn sie brachte keinen Ton heraus. Dann zog sie schnell ihre Hand wieder zurück und versteckte beide Hände hinter dem Rücken. Hilfe suchend blickte sie zu ihrer Mutter hinüber. Als dann auch noch die Ziege an ihr herum zu zupfen begann, wurde es dem kleinen Petrinchen zu viel. Sie flüchtete hinter ihre Mutter und verbarg ihr Gesicht an Elviras Rücken. Sie schämte sich. Und sie hatte solche Angst. Angst vor der Ziege – und Angst, sich zu blamieren.

„Hab keine Angst“, sagte Mathilda freundlich, „Flecki tut dir nichts; sie ist ganz lieb.“
Während sie dies sagte, streichelte sie zärtlich die Ziege, die wie zuvor als Antwort, fröhlich meckerte.

„Mathilda, zeig Petrina doch mal, was in deinem Korb ist!“ meinte Frau Fröhlich. Mathilda ließ den Strick mit Flecki los. Flecki begann daraufhin sofort suchend zu grasen. Das Tier kannte sich hier schon gut aus, wusste, wo die besten Leckereien zu finden waren. Und während die Ziege genüsslich vor sich in graste, ging Mathilda behutsam auf Petrinchen zu. In ihren Händen hielt sie einen Weidenkorb. „Schau mal, Petrina, das musst du dir unbedingt einmal ansehen!“

Vorsichtig lugte Petrina hinter ihrer Mutter hervor und blickte in den Weidenkorb. Mathilda hatte ihn auf den Boden gestellt und nahm das Tuch, das darin lag, vorsichtig heraus. Petrina reckte sich – nun doch neugierig geworden – ein wenig vor, um besser sehen zu können. Was sie dann sah, konnte sie kaum glauben, und entlockte ihr ein verzücktes „Oh“. In dem Korb lagen fünf winzige Kätzchen. „Sind die nicht süß?!“ rief Mathilda aus. „Komm, du musst sie unbedingt mal streicheln.“

Bei diesen niedlichen, possierlichen Katzenjungen verlor selbst Petrinchen die Scheu. Sie kniete neben dem Korb nieder und streichelte ganz behutsam und vorsichtig die jungen Kätzchen. „Sind die süß!“ rief sie dabei aus und schaute Elvira mit strahlenden Augen an. „Sie sind so winzig! Mutti sieh´ doch nur!“ Sie konnte sich gar nicht satt sehen an den Katzenbabies. Diese leckten mit ihren winzigen Züngelchen Petrinas Hand. Die Kätzchen sahen alle unterschiedlich aus. „Wenn du möchtest, darfst du dir eine aussuchen, erklärte Frau Fröhlich lächelnd. „Au ja, dann habe ich immer jemanden, mit dem ich schmusen kann. Mutti, hast du gehört? Ich darf mir eine aussuchen. Erlaubst du es mir? Bitte!“ Petrinchen sah in diesem Augenblick so glücklich aus, wie hätte Elvira ihrem Töchterchen diesen Wunsch abschlagen können. „Aber ja, mein Liebling, such dir ein Junges aus.“

6. Teil  (geschrieben von Petra)

Wie schön, dass sie sich ein Katzenjunges aussuchen durfte! Da vergaß sie für einen Moment sogar den Kummer um den nahenden Abschied von ihrer Mutter. Voller Freude umarmte Petrina ihre Mutter. Interessiert wendete sie sich den Kätzchen zu. „Oh, welches soll ich nur nehmen? Sie sind alle so niedlich! Wie soll ich mich da nur entscheiden?!“

„Lass dir nur Zeit, mein Kind“, meinte Frau Fröhlich „während du dir eins aussuchst, rede ich noch ein wenig mit deiner Mutter.“ Als Petrina nun abgelenkt war, wollte sie die Gelegenheit nutzen, um mit Elvira noch unter vier Augen zu sprechen. Die beiden Frauen gingen ins Haus.

„Und haben sie schon mit Petrina gesprochen?“ fragte sie vorsichtig.
„Ja, gestern“ antwortete Petrinas Mutter beklommen. Der Blick in Frau Fröhlichs mitfühlende Augen tat ihr gut. „Und wie hat die Kleine reagiert?“

„So wie ich es befürchtet hatte: Sie war geschockt und hat große Angst. Heute Nacht hatte sie deswegen Alpträume. Umso mehr freue ich mich, sie jetzt in diesem Moment so glücklich mit den Kätzchen zu sehen.“ „Liebe Frau Elvira, wir werden alles dafür tun, damit sich Petrina wohl bei uns fühlen kann. Sie ist ein so liebenswertes zartes Mädchen. Hier in dieser wunderbaren Umgebung, wird sie wachsen und heilen. Glauben sie meinen Worten. Vertrauen sie.  Sie und ihre kleine Tochter sind hier in guten Händen. Alles wird gut!“

„Danke, liebe Frau Fröhlich! Sie machen mir Mut. Ich vertraue mich ihnen allen gern an. Gott hat uns hierher geführt. Es war SEIN Wille. Und so vertraue ich offenen Herzens darauf, dass alles nach SEINEM göttlichen Plan geschieht – und in seiner allmächtigen Liebe.“ Die beiden Frauen sprachen noch eine ganze Weile miteinander.

Petrinchen konnte sich noch nicht für ein Kätzchen entscheiden, denn eines war ihr so lieb wie das andere. Aber Mathilda meinte, es würde ja nicht eilen, schließlich wäre sie ja noch eine lange Zeit hier, und Petrina würde „ihr“ Kätzchen schon noch finden.

Dann verabschiedeten sich Frau Fröhlich und Mathilda. Als sie schon zur Gartentür hinaus waren, drehte Mathilda sich noch einmal zu Petrina um: „Wir sehen uns heute Abend!“ rief sie ihr zu. „Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Du schläfst bei mir im Zimmer. Ich freue mich schon auf dich! Wir werden bestimmt viel Spaß haben – du wirst sehen!“ Fröhlich winkte sie Petrina noch einmal zu – und das kleine Mädchen winkte mit einer schüchternen Geste zurück. Elvira, die es sah, freute sich sehr darüber. In ihrem Herzen wuchsen die Hoffnung und die Zuversicht. Ja, hier würde alles gut werden! Elvira nahm ihr Töchterchen an die Hand und langsam gingen sie ins Haus. Die Zeit des Abschieds war gekommen.  Schnell noch aufräumen, die Sachen packen – ja, und dann mussten sie auch schon bald los …

7. Teil (geschrieben von Christina)

Der letzte gemeinsame Nachmittag – ein Ausflug nach Rafaelbergen

Elvira wollte Petrinchen zunächst ihren Kurort zeigen und sie erst anschließend zu Frau Fröhlich und deren Tochter bringen, um sich dort zu verabschieden. Sie hielt es für besser, dass Petrinchen zunächst sah, wo ihre Mutter bleiben würde und wo sie sie dann auch später besuchen konnte.

Der nah gelegene Kurort mit dem Namen Rafaelbergen lag in einem Tal, hinter einem Hügel. Da Petrinchen immer noch ein wenig erschöpft war von der unruhigen Nacht schlug Elvira vor: „Was meinst du? Wollen wir anstelle zu Fuß über den Hügel nach Rafaelbergen zu gehen, mit dem Zug fahren – du magst doch so das Pfeifen und Zischen der alten Dampflock!“ – „Au ja, bitte, bitte! Das wäre toll!“ prustete Petrinchen. Lächelnd hob Elvira ihr geliebtes Kind in die Höhe und drehte sich im Kreis mit ihr – es fiel der Mutter ein Stein vom Herzen, dass Petrinchen trotz des nahenden Abschieds sich ablenken lies und ihre kindliche Freude und Neugier behielt. „Ich hole kurz Deine warme Jacke und dein Köfferlein – und dann geht es schon los“ hauchte die Mutter, die nach all den Drehungen etwas außer Atem kam. Sie durfte es nicht übertreiben, noch war sie sehr schwach und erholungsbedürftig. Etwas schwindelig geworden setzte sie die Tochter wieder ab, holte das Gepäck und zog der Tochter die Jacke an, denn es war jetzt im November schon ziemlich kühl, auch wenn gerade heute die Sonne schien. Ja, bald schon würde es ihr sicher besser gehen. Die Kur musste einfach sein, damit sie wieder zu Kräften kam.

Petrinchen hüpfte von einem Bein auf das andere, „Rafaelbergen – mit der Dampflock, mit der Dampflock – wir fahren nach Rafaelbergien, ja – bergiiieeen“.

8.Teil (geschrieben von Christina)

Elvira spannte das Köfferchen mit den nötigsten Sachen ihrer Tochter auf den Gepäckträger ihres Rades, der Rest würde morgen von Frau Fröhlich mit dem Wagen abgeholt werden. Dann setzte sie Petrina, die für ihr Alter noch sehr klein und zart war, in den Kindersitz am Lenker und summte dabei ein Lied. Dem Mädchen war die Stimme der Mutter sehr vertraut – ganz harmonisch vermischten sich die Strahlen der Nachmittagssonne mit den zarten Klängen des gesummten Liedes der Mutter – eine frische Brise des Fahrtwindes kühlte das Gesicht der beiden. So holperten sie mit dem Rad über den Feldweg – zwischen Felder und kleinen Häuschen, an liebevoll angelegten Gärtchen vorbei. Der Weg war manchmal so steinig, dass Petrinchen in Ihrem Sitz in die Höhe geschubst wurde. Das fand sie sehr lustig. Petrinchen gluckste jedes Mal ganz laut und schnalzte mit der Zunge.

„Ach“ dachte die Mutter „was kann ich dankbar für Petrinchen sein, Alles, alles, was wir gemeinsam erleben ist vollkommen. Sie ist mein Ein und Alles – ich kann so dankbar für dieses zarte Wesen sein. Die Zeit der Trennung wird ein großer Einschnitt sein, doch ich weiß sie wohl behütet bei den Gasteltern.“ Elvira wusste auch, dass trotz all der Liebe zum Kind ihre körperliche Schwäche ein Zeichen war, sich selbst nicht zu vergessen. In den letzten Jahren war sie nicht sehr rücksichtsvoll mit sich umgegangen. Hatte versucht, ihrer Tochter den Vater zu ersetzen und sich eben allein um alles kümmern müssen. Neben der Fürsorge fürs Kind, hatte sie auch viel zu viel gearbeitet, denn sie musste ja für alles selbst aufkommen. Die Gesundheit hat darunter gelitten und Ihre Krankheit war ein Zeichen behutsamer mit sich selbst umzugehen.

Inzwischen waren sie auch schon mit dem Rad vor dem Bahnhof angekommen.
„Mutti, Mutti – sieh nur, die Lock!“ freute sich Petrinchen.

9.Teil (geschrieben von Christina)

Die Fahrt mit dem Zug war ganz aufregend für Petrinchen: sie klebte die ganze Zeit am Fenster und schaute mit offenem Mund in die Landschaft. Sie konnte es kaum glauben, dass der alte Zug den steilen Hang am Berg so tapfer bezwang. Elvira saß ihrer Tochter still gegenüber und kam nach dem Radfahren etwas zur Ruhe. Selig genoss sie jeden Augenblick, den sie mit Petrinchen noch gemeinsam verbrachte.

Am Abend würde die unvermeidliche Trennung erfolgen müssen – und davor hatte auch sie Angst, denn so gern hätte sie ihrer Tochter den Abschiedsschmerz erspart.
Doch die Kur war nun einmal notwendig, damit sie wieder zu Kräften kam, um sich danach wieder gut um ihre Tochter und sich selbst kümmern zu können. Petrina würde bei der freundlichen Gastfamilie sicher gut untergebracht sein…

In Rafaelbergen angekommen stiegen beide aus dem Zug. Unweit vom Bahnhof entfernt befand sich das Kurgelände. Da wurde Petrinchen schon etwas mulmig zumute, als die Mutter ihr zeigte, wo sie dann wohnen würde. Verschüchtert hing sie an der Hand der Mutter – nur der Fischteich in dem schönen Kurpark lenkte sie etwas ab. Zahlreiche Goldfische schwammen im Wasser und Petrinchen fütterte sie mit dem Rest des Brötchens, das sie von der Zugfahrt noch übrig hatte.

Elvira wollte den Aufenthalt im Kurort nicht unnötig verlängern, sie fuhren mit dem nächsten Zug zurück zur Bahnstation, wo sie das Rad gelassen hatten und weiter auf dem Rad in Richtung „Goldsegen“, der kleinen Ortschaft, in der Frau Fröhlich wohnte. Petrinchen war im Kindersitz während der Fahrt mit dem Rad eingeschlafen als Elvira am kleinen Bauernhof von Frau Fröhlich ankam. Inzwischen war es schon fast dunkel.